Presseerklärung

09.10.2005

Pendler sind auch Mitmenschen

Über 40.000 Menschen kommen täglich aus dem Umland nach Wiesbaden, um hier zu arbeiten, zu studieren oder zur Schule zu gehen. Aber sie genießen hier auch ihre Freizeit, kaufen ein oder gehen ins Theater. Eigentlich sind das ja auch alles ein bisschen Wiesbadener. Viele von Ihnen sind in unserer Stadt aufgewachsen oder haben hier viele Jahre ihres Lebens verlebt. Viele sind mit ihren Familien fortgezogen, weil sie hier kein für sie erschwingliches Haus kaufen konnten oder keine kostengünstige Mietwohnung gefunden haben. Aber die meisten haben noch Freunde oder Verwandte hier und die Bindungen an ihre Stadt sind noch nicht verloren gegangen. Schüler und Studenten, die von außerhalb in unsere Stadt pendeln, sind dabei, Bindungen an unsere Stadt erst aufzubauen, auch diese Bindungen können ein Leben lang halten.

Ohne diese Pendler wäre unsere Stadt nicht überlebensfähig. Betriebe würden fortziehen, wenn sie nicht mehr auf das Arbeitskräftepontenzial des Umlandes zurückgreifen könnten. Noch mehr Geschäfte müssten schließen, weil ihnen die Kundschaft wegbleiben würde, Schulen müssten ihr Lernangebot reduzieren, weil sie ohne die auswärtigen Schüler keine ausreichend große Gruppen für ein differenziertes Lernangebot bilden könnten. Aber auch im Bereich des Gesundheitswesens, des kulturellen Lebens und anderer Erlebnisbereiche fehlen diese Menschen, wenn sie sich zu anderen Standorten orientieren.

Schon heute sind die Auswirkungen davon, dass sich viele frühere Pendler, aber dann auch Wiesbadener, zu anderen Zentren orientieren, in unserer Stadt deutlich spürbar. Das ist wohl auch Folge einer Kommunalpolitik, die zuweilen den Eindruck hinterlässt, Pendler und andere Besucher aus dem Umland wären bei uns nicht willkommen. So wurde z. B. laut darüber nachgedacht, das Freibad auf der Maaraue nicht zu sanieren, sondern zu schließen, weil dort ja zu einem großen Teil Mainzer Bürger hingehen, oder aber die Carl-von-Ossietzky-Schule zu schließen, denn die würde ja auch von vielen Schülern aus dem Rheingau-Taunus-Kreis besucht.

Vielmehr ist es für Wiesbaden wichtig, sich den Pendlern und Besuchern aus dem Umland stärker zu öffnen, insbesondere die Erreichbarkeit aus dem Umland intensiver zu gestalten. Und damit nicht wie bisher Pendler und Besucher aus dem Umland zu 80% mit dem Auto kommen müssen, hier jeden Morgen und Abend den Stau verstärken, mehr Abgase, Staub und Lärm erzeugen und in Wohngebieten parken müssen, sollte man ihnen mit der Stadtbahn ein attraktives Angebot machen.

In den meisten Städten, die sich für den Bau einer Stadtbahn entschieden haben, wurden die Prognosen zu den zukünftigen Fahrgastzahlen und zu den positiven Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung übertroffen. Die Entscheidungen pro Stadtbahn wurden oft gegen erbitterten Widerstand von Personen und Gruppen getroffen, die kein Augenmaß für die Entwicklung, aber Angst vor jeder geplanten Veränderung ihrer Stadt haben, während sie den schleichenden Verschlechterungen tatenlos zuschauen, ja sie häufig gar nicht wahrnehmen.

Vieles spricht dafür, dass dies auch für Wiesbaden zutrifft. Die Stadtbahn müsste, damit sie optimale Wirkung entfalten kann, durch die Innenstadt fahren, denn die meisten Fahrgäste wollen dahin. Alle Konzeptionen, bei denen die Fahrgäste auf dem Weg in die Innenstadt einmal mehr umsteigen müssten oder auf Umwegen Zeit verlieren, haben gezeigt, dass es so nicht geht. Deswegen hat die Bürgerinitiative den Vorschlag ausgearbeitet, schon in der 1. Betriebsstufe die Stadtbahn von Bad Schwalbach kommend nicht an der Hasengartenstraße enden zu lassen, sondern sie gleich weiterzuführen bis Mz.-Kostheim. Es würde sich dabei von Anfang an um eine Durchmesserlinie handeln, die für viele Fahrgäste, insbesondere aus dem Umland, noch attraktiver wäre.

Übrigens pendeln auch mehr als 20.000 Wiesbadener ins Umland, auch sie würden von der Stadtbahn Vorteile haben. Das bedeutet, dass Wiesbaden auch als Wohnstandort dadurch attraktiver werden würde.

Es wird höchste Zeit, sich wieder konstruktiv mit dem Thema „Stadtbahn“ zu beschäftigen!

Für die „Initiative Stadtbahn - ja“

Hans-Ulrich Zastrau


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