Presseerklärung

23.06.2005

Wiesbaden als Einzelhandelsstandort

Vor genau zwei Jahren hat die Bürgerinitiative „Stadtbahn - ja“ die leerstehenden Läden in der Wiesbadener Innenstadt (historisches Fünfeck ohne Bergkirchenviertel) gezählt und fotografiert. Es waren genau 80. Jetzt liegt das Einzelhandelsgutachten von GMA vor, und danach sind es heute 82. Niemand kann also von verbesserter Lage sprechen! Dem Gutachten ist vielmehr zu entnehmen, dass sich die Situation eher verschärft und zwar aus folgenden Gründen:

Wiesbaden ist Oberzentrum in der Rhein-Main-Region mit Handels- und Dienstleistungsgewerbe in einem Umfang und einer Vielfalt, die weit über den örtlichen Bedarf hinausgehen. Dies macht vor allem den Reiz aus, den die Wiesbadener Innenstadt auch auf die Wiesbadener Bürger ausübt.

Die Gutachter definieren diese Rolle als Einkaufsstandort mit Hilfe der Kaufkraftbindung. Sie ist das Verhältnis zwischen der im Einzugsbereich vorhandenen Kaufkraft und den in der Innenstadt tatsächlich erzielten Umsätzen. Und hier schneidet Wiesbaden im Städtevergleich am schlechtesten ab.

Gerade im Umfeld weiterer konkurrierender Standorte (Mainz, Frankfurt) muss es Wiesbaden darum gehen, nicht nur die Kaufkraft des eigenen Einzugsbereiches an sich zu binden, sondern auch darum, den Einzugsbereich ständig und nachhaltig auszudehnen.

Dabei ist ein wesentlicher Faktor die Erreichbarkeit der Innenstadt insbesondere vom Umland her. Leider hat Wiesbaden hierfür bisher nicht nur nichts erreicht, sondern trotz besserer Erkenntnis die gegebenen Möglichkeiten vertan.

Gerade hinsichtlich der Entwicklung Wiesbadens als Einkaufsstandort wäre die Realisierung des Stadtbahn-Projekts ein entscheidender Schritt gewesen und man kann gar nicht nachvollziehen, welche Ängste es waren, die zu der Ablehnung geführt haben. Jetzt in diesem Jahr wäre die 1. Betriebsstufe in Betrieb gegangen, die die Erreichbarkeit der Innenstadt von Taunusstein und Bad Schwalbach aus verbessert hätte.

Käme der Vorschlag der Bürgerinitiative „Stadtbahn - ja“ zum Tragen würde die 1. Betriebsstufe von Bad Schwalbach gleich bis Mz.-Kostheim geführt und damit die Innenstadt noch besser an das Umland angebunden, aber zugleich auch andere Standorte städtebaulicher Entwicklung. Dabei geht es um ein Potenzial von über 45.000 Fahrgästen, wie in der Studie Rhein-Hessen-Netz nachzulesen ist.

Aber es geht nicht nur um die bessere Anbindung, sondern auch darum, dies in einer stadtverträglichen Art und Weise zu machen. Wie man es jedenfalls nicht machen soll, ist beim Einzelhandelsstandort Hasengartenstraße zu sehen: In Ermangelung eines attraktiven ÖPNV-Angebotes nimmt der fließende und ruhende Autoverkehr überhand und führt zu erheblichen Beeinträchtigungen der Wohn- und Lebensqualität. Dabei hätte es auch für diesen Standort einen direkten Zugang von einer Stadtbahn-Haltestelle aus gegeben.

Bei der Untersuchung verschiedener Einzelhandelsstandorte weisen die Verfasser des aktuellen Einzelhandelsgutachtens auf die Verkehrsengpässe hin, die bei der Realisierung dieser Standorte zu erwarten sind.

Es wird höchste Zeit, sich wieder konstruktiv mit dem Thema „Stadtbahn“ zu beschäftigen!

Für die „Initiative Stadtbahn - ja“

Hans-Ulrich Zastrau


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