Presseerklärung

09.08.2005

Stadtbahn und Stadtbild

Man muss gar nicht nach Montpellier, Grenoble oder Straßburg fahren, um zu erleben, wie belebend moderne Stadtbahnen auf historische Stadtzentren wirken und wie nahtlos sie sich ins Stadtbild fügen, gerade wenn es sich um Städte handelt, die gern von Geschäfts-, Bildungs- und Ferienreisenden, Erholungssuchenden, aber auch von Besuchern aus dem Umland aufgesucht werden.

Fast vor unserer Tür, im Schwarzwald, im schönen Bad Wildbad hat die Stadtbahn ein weiteres Mal für wirtschaftlichen Aufschwung gesorgt. Bad Wildbad ist ein kleiner aber feiner Kurort, der von seinen landschaftlichen Reizen, von seinem malerischen Stadtbild und von seinen Thermalquellen lebt. Ein städtebaulicher Fehlgriff würde sich fatal auswirken können.

Obwohl das Projekt einer Stadtbahn (dort zunächst auf der früheren DB-Trasse nach Pforzheim) - ebenso wie hier in Wiesbaden - gegen heftige Widerstände zu kämpfen hatte, wurde es realisiert und vor zwei Jahren in Betrieb genommen. Auf 24 km Streckenlänge werden 19 Haltestellen angesteuert, die Züge fahren im Halbstundentakt, zu verkehrsarmen Zeiten im Stundentakt, die Endhaltestelle liegt direkt am Kurpark. Der Erfolg ist sensationell: die Zahl der Fahrgäste verdoppelte sich, die Cafés und Restaurants vermeldeten bis zu einem Drittel mehr Gäste und an den verkaufsoffenen Sonntagen stiegen die Umsätze um die Hälfte. Selbst hartnäckige Widersacher sind zu vorsichtigem Optimismus übergewechselt! Über 800 m fährt die Stadtbahn durch die Innenstadt; der Bau dieser Strecke hat dem Stadtbild nicht geschadet, vielmehr hat die König-Karl-Straße, auf bzw. neben der die Stadtbahn fährt, dadurch gewonnen und präsentiert sich heute in einem freundlichen Ambiente.

Das überrascht nicht, denn in vielen Stadtzentren, die eine Stadtbahn bekommen haben, ist zu beobachten, dass das Stadtbild alles in allem eine Verbesserung erfahren hat. Die Bürgerinitiative „Stadtbahn - ja“ hat nach gründlicher Prüfung des Wiesbadener Stadtbahnprojektes festgestellt, dass durch sie viele derzeit städtebaulich problematische Situationen entscheidend verbessert würden. Das gilt insbesondere für Klarenthal mit seinen überdimensionierten Asfaltflächen. In Mz.-Kastel und in Mz.-Kostheim könnten sogar städtebauliche Misstände nachhaltig behoben werden und die städtebaulichen Entwicklungsmöglichkeiten neue Impulse erhalten, wenn die jetzige DB-Strecke aus der Ortslage heraus und auf die größtenteils vorhandene Umgehungstrasse verlegt würde und auf der dann freien Trasse die Stadtbahn führe. Es gibt aber auch kritische Eingriffe ins Stadtbild; hierfür hat die Bürgerinitiative Verbesserungvorschläge gemacht.

Auch in den Zentren der anderen Städte, die eine Stadtbahn gebaut haben, gibt es Geschäfte, die unter der Baustelle für die Stadtbahn gelitten haben, denen aber später der wirtschaftliche Erfolg dieser Maßnahme besonders zugute kommt. Erste Aufgabe der Bauzeitenplanung wäre also, die Beeinträchtigung der betroffenen Grundstücke durch die Bildung kleiner Bauabschnitte kurz zu halten. Damit es unter den Geschäftsleuten keine Ungerechtigkeiten gibt, sollte es einen Sozialplan geben, mit dem die bauzeitbedingten Nachteile ausgeglichen werden können. Die Bürgerinitiative „Stadtbahn - ja“ hat in der Wiesbadener Innenstadt gezählt und festgestellt, dass nur zwanzig Geschäfte von der Bauzeit hart betroffen wären. Wenn der „City-Loop“ verwirklicht würde, also die Schleife über die Friedrichstraße, wären es vierzig. Dieser hätte aber den Vorteil, dass es in der Innenstadt auch dann keine Baustellen gäbe, wenn das Stadtbahnsystem ergänzt und erweitert werden würde. Aber die Vorteile für die Innenstadt würden schrittweise weiter zunehmen.

Was andere Städte können, müsste den Wiesbadenern doch auch gelingen. Es wird höchste Zeit, sich wieder konstruktiv mit dem Thema „Stadtbahn“ zu beschäftigen!

Für die „Initiative Stadtbahn - ja“

Hans-Ulrich Zastrau


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